Charakter

Nachfolgend haben wir euch die wesentlichen Charaktereigenschaften, die wir selbst und andere Shikoku-Besitzer in der Rasse beobachten konnten, zusammengefasst. Shikokus haben dennoch eine individuelle Persönlichkeit und zeigen mitunter eine sehr unterschiedliche Ausprägung der genannten Eigenschaften:

Zurückhaltend/Misstrauisch

Gegenüber fremden Personen sind Shikokus naturgemäß zurückhaltend und legen ein gewisses Misstrauen an den Tag. Wenn man ihnen Raum lässt und sie nicht überfordert, tauen die meisten Shikokus innerhalb kurzer Zeit auf. Trotzdem sind sie grundsätzlich sehr selektiv dabei, wen sie mögen und wen nicht und man muss sich ihr Vertrauen verdienen. Es ist nicht untypisch für Shikokus Fremde zwar in ihrer Nähe zu dulden aber nicht angefasst oder gestreichelt werden zu wollen.

Jagdtrieb

Nahezu alle Shikokus eint, das sie mit einem mittleren bis starken Jagdtrieb ausgestattet sind. Durch ihren Ursprung in der Wildschwein- und Großwildjagd sind Shikokus sehr gute Jäger. Sie jagen auf Sicht und über ihre Nase und registrieren Wild, dass vor kurzer Zeit oder nach wie vor in der Nähe ist.
Dadurch eignen sie sich nur bedingt für den Freilauf und sind am besten, abgesichert mit einer Schleppleine, in durch Wild frequentierten Gebieten zu führen. Durch Jagdersatztraining kann man den Jagdtrieb besser managen, wobei gesagt sein muss, dass das Training meistens auch seine Grenzen hat.

Guter Offswitch

Shikokus haben grundsätzlich einen sehr guten Off-Switch, was die Fähigkeit im Haus zur Ruhe zu kommen beschreibt. Sie sind oftmals ein bisschen wie Katzen im Haus, schlafen viel und verhalten sich weitgehend sehr ruhig. Aufgrund dieser Eigenschaft konnte ich bis jetzt alle meine Hunde gut mit ins Büro nehmen.

Schnell überfordert

Einige Shikokus neigen dazu schnell überfordert zu sein, da sie ihre Umwelt sehr deutlich wahrnehmen. Situationen, in denen es zu einer Reizüberflutung kommt, sollten daher vermieden werden und auch Trainingseinheiten in einer Reizintensiven Umgebung eher kurzgehalten werden.

Mittleres Energielevel

Shikokus haben ein mittleres Energielevel und sind, anders als man vielleicht vermuten würde, mit zwei Spaziergängen am Tag (30min – 1 h) völlig zufrieden. Sollte es mal mehr sein, auch gut, wenn es regnet aber gerne auch etwas weniger. Grundsätzlich sinkt das Energielevel mit steigender Temperatur und im Alter etwas. 

Körpersensibel, aber Robust

Durch ihre Vergangenheit als Jagdhunde sind sie grundsätzlich sehr bedacht darauf sich nicht zu verletzen oder Dinge umzurennen. Sie haben ein gutes Körpergefühl und sind eher schmerzunempfindlich.
Dinge wie Bürsten, ein Geschirr tragen oder Krallenschneiden müssen aber trotzdem geübt werden, da einige Shikokus hier etwas sensibel sind. Beim Tierarzt hingegen zeigen sie sich ziemlich schmerzbefreit und oft unbeeindruckt von Impfnadel u.ä.

Sehr intelligent

Wie die meisten ursprünglichen Hunderassen sind auch Shikokus sehr intelligent, haben eine schnelle Auffassungsgabe und lernen Neues oft innerhalb kürzester Zeit. Shikokus sind dadurch auch schnell gelangweilt und die Motivation ein Kommando ein 5. oder 6. Mal hintereinander auszuführen, sinkt schnell. Ihre oft niedrige Futtermotivation/Spielmotivation macht das Training zudem ein wenig herausfordernder als bei anderen Rassen.

Same Sex Aggression (SSA)

Die gleichgeschlechtliche Aggression ist noch immer ziemlich verbreitet beim Shikoku und betrifft vor allem die Rüden, die sich mit anderen intakten Rüden oftmals nicht vertragen.
Diese Eigenschaft wurde in Japan bewusst in der Rasse etabliert, da sich die Hunde im Showring eindrucksvoller präsentieren lassen. Im Alltag westlicher Hundehalter stellt diese Eigenschaft aber oft eine Herausforderung dar und ein entsprechender Abstand zu gleichgeschlechtlichen Artgenossen wird unerlässlich.

Eigenständig

Shikokus denken sehr eigenständig, was von Außenstehenden oft als stur, ignorant oder bockig interpretiert wird.
Diese Selbstständigkeit ist über Generationen in der Rasse manifestiert worden und war unabdingbar in der Verwendung des Shikoku als Jagdhund. Bei der Wildschweinjagd mussten die Hunde in der Lage sein, eigenständig Entscheidungen zu treffen, um sich und den Jäger nicht zu gefährden.
Das Hinterfragen von Kommandos kann beim Training sehr herausfordernd sein und erfordert Geduld und oftmals kreative Ideen. Trotzdem bringt diese Eigenschaft auch Vorteile mit sich, wodurch die meisten Shikokus nach kleinschrittigem und stressfreiem Training gut allein bleiben können und im Allgemeinen keine „Attention seeker“ sind, die ständig gefordert werden wollen.

Niedrige Frustrationstoleranz/Stressresistenz

Shikokus neigen im Allgemeinen dazu schneller überfordert zu sein als andere Hunderassen und Stress zu verspüren, wenn man ihnen etwas entzieht, das für sie wichtig ist. Sei es die Leine, eine geschlossene Tür oder der Gartenzaun, der sie von einem Reiz fernhält, den sie aber gerne erreichen möchten. Hierbei spricht man von der Barrierenfrustation, die gerade bei Welpen und Junghunden oft stark ausgeprägt ist. Mit Geduld, Ruhe und konsequentem Training kann man dem Shikoku aber den Stress in diesen Situationen nehmen.

Instinktgesteuert/teilweise impulsiv

In Abhängigkeit von der gegeben Situation, sind Shikokus oft in einem größeren Maße, wie andere westliche Hunderassen, durch ihre Instinkte gesteuert und handeln auch teilweise impulsiv.
Sie entscheiden sehr schnell und selbstständig, wie sie am besten auf eine Situation reagieren und müssen früh lernen dabei mit ihrem Besitzer zu kooperieren bzw. nicht auf Autopilot zu schalten.

Aufmerksam

Durch ihre teilweise Verwendung als Hofhunde im ländlichen Japan sind Shikokus sehr aufmerksam und beobachten genau, was in ihrer Umgebung passiert. Sie sind keine typischen Wachhunde und bellen daher eigentlich nicht übermäßig und auch nicht ohne Grund. 

Familienbezogen und treu

Seine Bezugspersonen sind für den Shikoku das Wichtigste und zu jedem, der sich ihr Vertrauen einmal erarbeitet hat, bauen Shikokus eine tiefe Bindung auf. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Shikokus beispielsweise auf Kinder innerhalb der Familie sehr tolerant und freundlich reagieren, fremde Kinder jedoch ablehnen oder ihnen forsch gegenübertreten. Shikokus machen also definitiv einen Unterschied zwischen Familie und Fremden und sind sehr treu.

Körpersprache/Kommunikation

Die Nihon Ken (japanischen Hunderassen) haben alle eine sehr charakteristische Art zu kommunizieren, die sie von anderen Hunderassen unterscheidet. Wo die meisten Hunde viel über die Rute und deutliche Körpersignale kommunizieren, sind es beim Shikoku oft nur minimale Regungen in der Mimik, Blickführung und Körperspannung. Sie verhalten sich oft distanzlos gegenüber anderen Artgenossen, dulden aber selbiges Verhalten nicht. Beim Spielen sind sie sehr wild, oft etwas rüpelhaft und es wird dabei gerne laut geknurrt. Diese Eigenheiten können von anderen Hunden und deren Besitzern fehlinterpretiert werden. Shikokus sprechen also eine etwas andere (Körper)Sprache wie viele andere Hunde und es dauert, bis man diese lesen und verstehen kann.

Witterungsunempfindlich und reinlich

Durch ihr drahtiges Deckhaar gepaart mit der dichten Unterwolle haben Shikokus ein sehr robustes Fell. Wie die anderen nordischen Rassen ist dieses zudem Geruchsneutral, selbst im Nassen zustand entsteht nicht der typische „Hunde-Geruch“. Während dem Fellwechsel ist ein regelmäßiges Auskämmen der Unterwolle wichtig, ansonsten ist es sehr pflegeleicht.
Shikokus sind zudem sehr reinlich, machen grundsätzlich einen Bogen um Pfützen/Schlammlöcher und putzen sich ähnlich wie Katzen, sobald sie das kleinste bisschen Dreck abbekommen.

Hohes Erregungslevel

Shikokus sind Hunde, die schnell durch Reize erregt werden können, was bei einem Jagdhund grundsätzlich nicht verkehrt ist. So sind Shikokus innerhalb von Millisekunden in der Lage in den Jagdmodus/Arbeitsmodus umzuschalten, wenn ein Reiz/Situation diese Reaktion bei ihnen auslöst. Ein hohes Erregungslevel kann sich unter Umständen aber auch in Form von Nervosität, Reaktivität oder Angst äußern. Durch eine gute Sozialisierung, Struktur und Routinen lässt sich das Erregungslevel in den meisten Fällen niedrig halten. Trotzdem ist auch diese Eigenschaft genetisch manifestiert.

Hedonist, Langschläfer, Genießer

Shikokus versuchen Situationen zu ihren Gunsten zu nutzen und sind dabei echte Genießer. Sei es, dass ausgiebig ausgeschlafen wird oder ein Leckerli genüsslich in alle Einzelteile zerkleinert wird – Shikokus wissen, wie man das Beste aus dem Leben macht. Es hat oft etwas katzenhaftes und eigennütziges und ist eines der absoluten Markenzeichen bei fast allen Shikokus.

Training

Shikokus sind sehr feinfühlige und sensible Hunde die ihre Umwelt sehr deutlich und ungefiltert wahrnehmen. Sie bemerken kleineste Stimmungsänderungen in ihren Menschen und reagieren darauf. (Harsche)- Korrekturen oder gar Strafe quittiert der Shikoku mit Rückzug, völliger Verweigerung und Misstrauen gegenüber seiner Bezugsperson weshalb Hundetraining auf Basis positiver Verstärkung die beste Methode darstellt.

Was den Shikoku vom Shiba, Akita und co. unterscheidet, ist, dass diese Rasse erst seit kurzer Zeit außerhalb Japans gezüchtet wird und somit im Verhalten noch um einiges ursprünglicher ist. Zuchthunde werden erst seit wenigen Jahren nach Charaktereigenschaften, die in Europa/der westlichen Welt erwünscht sind, selektiert. Viele der oben genannten Eigenschaften wurden über Generationen in der Rasse manifestiert und werden daher auch in den kommenden Generationen eine Rolle spielen. Genau diese Eigenschaften machen den Shikoku daher oftmals etwas komplizierter als andere Rassen, einfach da er naturgemäß einige Verhaltensweisen mitbringt, die in unserer heutigen Zeit als herausfordernd oder unerwünscht gelten können.

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